Laryngektomie

Bei einem Kehlkopfkarzinom (Kehlkopfkrebs) sowie bei Tumoren, die sich im Halsbereich ausdehnen, kann es dazu kommen, dass der gesamte Kehlkopf entfernt werden muss (Laryngektomie).
Das bedeutet, dass es zu einer Veränderung der Atemwege kommt. Hierbei wird die Luftröhre vollständig anatomisch getrennt von der Speiseröhre. Am unteren Hals endet jetzt der neue Atemweg in der nach außen verlegten Luftröhre (Tracheostoma). Durch eine Kanüle wird in der ersten Zeit dieses Stoma stabilisiert.

Es muss nicht so weit kommen:

Durch die Laryngektomie tritt eine dauerhafte Veränderung des Luftweges ein, das heißt dass Mund, Nase und Rachen für die Atmung nicht mehr benötigt werden. Die Atemluft kann nun nicht mehr im Nasen-Rachenraum vorgewärmt, angefeuchtet oder gefiltert werden, da sie auf verkürztem Weg angesaugt wird. Durch die kühlere und ungefilterte Luft wird die Schleimhaut der Luftröhre, der Bronchien und der Lunge mehr gereizt. Dadurch kommt es zu vermehrter Schleimabsonderung.

Das Wegfallen der Mund- und Nasenatmung bringt eine Reihe von Veränderungen mit sich:
Riechen ist nur noch eingeschränkt möglich.
Das Temperaturempfinden für heiss und kalt ist ebenso gestört. Heisse Speisen oder Getränke z. B. können nicht mehr sofort erkannt werden, sie können auch nicht mehr durch Blasen oder Schlürfen abgekühlt werden.

 

Für die Atemwege besteht die ständige Gefahr der Auskühlung und der Austrocknung. Aus diesem Grund sollte immer eine Tracheostoma-Abdeckung (z. B. Schutztuch oder Tracheofix) getragen werden, denn:

es gewährleistet eine Vorwärmung der Atemluft,
es gewährleistet eine Befeuchtung der Atemluft,
es schützt vor neugierigen Blicken anderer Menschen und
es schützt andere Menschen vor Trachealsekretion (Schleimauswurf) beim Husten.

Tracheostoma nach der Laryngektomie

In der Winterkälte wird für Spaziergänge das Larynx-Schutzlätzchen empfohlen, für die häusliche Raumbefeuchtung eignen sich z. B. Verdunsterschalen mit wasseraufsaugendem .KreppfiIterpapier.
Eine Trachealkanüle muss meistens etwa 6 Monate lang getragen werden. Sie hat die Aufgabe zu verhindern, dass die Nahtstelle zwischen Halshaut und Luftröhrenschleimhaut schrumpft. Die Entwöhnung von der Kanüle soll nur schrittweise zunehmend (stundenweise) unter sorgfältiger Eigenkontrolle erfolgen. Wird das erneute Einführen der Trachealkanüle schwierig, weil das Stoma sich verengt hat, muss die kanülenfreie Zeit wieder verkürzt werden.
Kanülen, sollten nur an der Spitze und nur sparsam mit Gleitmitteln wie dafür bestimmte Öle oder Salben versehen werden.
Helles, speichelartiges flüssiges Tracheasekret zeigt den normalen Funktionszustand der Atemwege an. Gummiartig zähes Sekret sollte mit schleimlösenden Mitteln behandelt werden. Gelbes oder gelb-grünes Sekret könnte Ausdruck eines bakteriellen Infektes sein. In einem solchen Fall muss ein Arzt aufgesucht werden, der entscheidet, ob z. B. Antibiotika nötig ist.
Blutbeimengungen im Sekret sind meist Folge einer thermischen (Kälte, Trockenheit) oder mechanischen Verletzung, die durch sich ablösende Krusten entstehen. Stärkere Blutbeimengungen im Sekret bedürfen der ärztlichen Behandlung; neben einer Virusbronchitis oder einer Lungenentzündung kommen nach andere Ursachen für eine solche stärkere Blutung in Frage.
Starke Sekretvermehrung und/oder Blut können zur Borkenbildung führen. Die Borken können so gross werden, dass sie die Bronchien oder die Luftröhre teilweise oder ganz verstopfen. Dies äussert sich durch erschwerte Ein- und Ausatmung sowie durch ein pfeifendes schlürfendes Atemgeräusch.
Die Borke sollte möglichst schnell entfernt werden. Als Selbsthilfe spritzt man evtl. mehrmals, 5 - 10 cm³ einer Kochsalzlösung mit einer Spritze in die Luftröhre. Die notwendige Lösung ist einfach herzustellen: 2 Teelöffel Kochsalz in 1 Liter abgekochten Leitungswasser lösen. Stoma während des Spülens mit einem Stofftuch abdecken, danach aushusten. So oft wiederholen, bis die Atmung leichter wird. Das Abhusten wird erleichtert, wenn nach der Einatmung vor dem Hustenstoß das Tracheostoma mit dem Daumen kurz verschlossen wird.
Auch bei Verstopfung kann das notwendige Pressen unterstützt werden, wenn während des Pressens das Stoma mit dem Daumen verschlossen wird. Besser ist jedoch, durch geeignete Nahrung, evtl. unterstützt durch entsprechende Abführmittel, für regelmässigen und leichten Stuhlgang zu sorgen.
Sollte nach einer Anschlussheilbehandlung die Verständigung mit Speiseröhrenstimme (Ö-Stimme, 'Rülps-Stimme) oder Stimmprothese nicht gelingen, bewilligt der Kostenträger schon nach 4 Monaten eine weitere Stimmrehabilitationsmassnahme. Der Antrag kann über den Sozialdienst der HNO-Klinik, über den Hausarzt oder dem HNO-Arzt gestellt werden.

Durch die Laryngektomie kommt es zu einem völligen Stimmverlust.

Unter logopädischer Anleitung hat der kehlkopflose Mensch die Möglichkeit, verschiedene Ersatzstimmfunktionen zu erlernen. 

Laryngektomiepatient nach der Wundheilung und der logopädischen Therapie

Die Lunge diente vor der Operation als Windkessel zum Sprechen und die Stimmlippen im Kehlkopf als Tonerzeuger.
Bei der Ösophagusstimme übernimmt die Speiseröhre die Aufgabe des Windkessels und der sich an ihrem oberen Ende befindende Speiseröhreneingang die Aufgabe des Tonerzeugers. Dieser wird mittels der Luft in Schwingung versetzt.
Die dazu benötigte Luft kann durch verschiedene Techniken in die Speiseröhre transportiert werde
Schluckmethode
Injektionsmethode
Aspirationsmethode
Dann wird die Luft dosiert in einer Art Rülpsen wieder abgegeben und wie bei der normalen Stimmbildung, im darüber liegenden Ansatzrohr (Rachen-, Mund-, Nasenräume) zu einem Laut geformt. Die Speiseröhrenstimme klingt rau, ihr Umfang ist klein, jedoch ausreichend für eine lautsprachliche Kommunikation.
Stimmgebung mittels Shunt-Ventil (chirurgische Stimmrehabilitation)

Provox® 1 (22,5 French) der Firma SERVOX A

 

In die Trennwand zwischen Luft- und Speiseröhre wird operativ ein Einwegventil eingesetzt (Öffnung von der Luftröhre zur Speiseröhre).
Diese Prothese ersetzt zwei Funktionen:
Regulierung der Luftzufuhr von der Lunge in den Rachen, womit die Ausatemluft sofort als Sprechluft verwendet werden kann.
Schutzfunktion für die Luftröhre beim Schlucken.

 

Stimmgebung mittels elektronischer Sprechhilfe:

Sprechhilfe SERVOX® digital der Firma SERVOX AG

Wechseln und Pflege der Trachealkanüle

 

Trachealkanüle Mediplast der Firma SERVOX AG

 

Herausnehmen der liegenden Trachealkanüle, Reinigung und Pflege, ggf. Behandlung des Stomas, Einsetzen und Fixieren der neuen Trachealkanüle, Reinigung der entnommenen Trachealkanüle.

 

Grundsätzliches:

 

Ein Mensch, der auf unbestimmte Zeit oder auf Dauer tracheotomiert bleibt, muss sich körperlich und psychisch auf die damit verbundenen Veränderungen im täglichen Leben einstellen. Dabei sind der sorgsame Umgang mit dem Tracheostoma und die Vermeidung und Bewältigung hierdurch bedingter häufiger Störungen, wichtige Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung der Atmung und somit des Lebens. Je selbständiger und sicherer der Tracheotomierte mit der Handhabung dieser Situation zurecht kommt, desto unabhängiger und komplikationsloser kann sein Leben sein. Eine sorgfältige Tracheostomapflege ist nötig, um die Atemwege freizuhalten und die Trachea vor Austrocknung und Verunreinigung bzw. Infektionen zu schützen. Patienten, die aus dem stationären Bereich nach Hause kommen, sind in den meisten Fällen mit dem “Erstausstattungsset” ausgestattet worden.

Vorbereitung:

Durchführung:

Hat kein Kanülenwechsel stattgefunden:

Nachbereitung:

Wichtig:

 

Wir vermitteln Ihnen die Fähigkeit, mittels der so genannten Ö-Stimme (Osoephagus-Ersatzstimme oder Ruptus-Stimme), des Pseusoflüsterns, der elektronischen Sprechhilfe SERVOX oder Shunt ersatzweise sprechen zu lernen. Viel Geduld und Einfühlungsvermögen, auch für die so oft auftretenden Randprobleme, bringen wir mit; Sie sollten den festen Willen haben, sich unter den für Sie veränderten Bedingungen wieder richtig unterhalten zu wollen. Nur Mut, zusammen schaffen wir es!

Sollten Sie sich unerfahren und unsicher fühlen, Ihre Partner oder Verwandten sich zu vorsichtig verhalten, um Ihnen beim Kanülenwechsel nicht weh zu tun (daher klappt es nicht richtig), dann stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zu Verfügung.