Infantile Zerebralparese

Unter dem Ausdruck infantile Zerebralparese oder Cerebralparese - von cerebrum (Gehirn) und parese (Lähmung) - versteht man Bewegungsstörungen, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt. Die dadurch hervorgerufene Behinderung ist charakterisiert durch Störungen des Nerven- und Muskelsystems im Bereich der willkürlichen Bewegungskoordination. Am häufigsten sind spastische Mischformen und eine Erhöhung der Muskelspannung (Muskelhypertonie).

Symptome:

Es kommt zu einer Verhinderung der üblichen Entwicklung des zentralen Nervensystems, zu einer Entwicklungshemmung, einem Weiterbestehen primitiver Reflexe und die Entwicklung physiologischer Reflexbahnen bleibt aus.

Die motorische Entwicklung verläuft verlangsamt. Der Muskeltonus, die Muskelstärke, die Muskelkoordination und die Bewegungsabläufe sind betroffen. Es lassen sich verschiedene Formen von Bewegungs- und Haltungbesonderheiten unterscheiden, oftmals handelt es sich um Mischformen:

Hemiplegie (32% der betroffenen Menschen): Es sind die Extremitäten einer Körperhälfte (Arme und Beine) betroffen. Es besteht eine typische Steigerung des Muskeltonus und ein Weiterbestehen des Pyramidenbahnreflexes über das dritte Lebensjahr hinaus.
Diplegie (40% der betroffenen Menschen): Hierbei sind die Beine stärker betroffen als die Arme. Die Intelligenz ist wie üblich entwickelt.
Tetraplegie (2% der betroffenen Menschen): Es besteht eine generalisierte Lähmung aller Extremitäten sowie eine verzögerte motorische und kognitive Entwicklung (kognitive Behinderung). Eine Gehfähigkeit wird nur von 10% der Menschen erreicht. Insgesamt hat diese Form eine sehr ungünstige Prognose.
Paraplegie: Spastische Lähmung beider Beine.
Bilaterale Hemiplegie: Spastische Parese aller vier Extremitäten mit Bevorzugung der Arme.
Monoplegie: Spastische Lähmung einer Extremität.
Triplegie: Spastische Parese von drei Extremitäten.
Infolge der spastischen Lähmung kommt es zur Gelenkversteifung, wobei die Beugemuskeln und die Adduktoren von der Spastik betroffen sind:

Die Hüfte steht angewinkelt gebeugt und nach innen gedreht. (innenrotiert und adduziert)
Ellenbogen, Handgelenk, Finger und Kniegelenk neigen zur Beugeversteifung. (Flexion)
Der Unterarm ist stark gebeugt und der Daumen ist nach innen gedreht. (Pronation)
Das Sprunggelenk und der Fuß stehen in Spitzfußstellung.
Die Wirbelsäule zeigt eine hochgradige Verkrümmung (Skoliose).
Bei 15% der Menschen kommt es zu ataktischen Syndromen, d. h., zu Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen, Tremor (Muskelzittern), Störung der feinen Muskelbewegungen und muskuläre Hypotonie.

Bei 10% der Menschen kommt es zu dyskinetischen Syndromen, d. h. wurmartige, unkontrollierte und unwillkürliche Bewegungsabläufe (Athetose), Tremor, mangelnde Kontrolle der Mimik, häufiges Grimassieren und Überdehnung der Gelenkkapseln.

Neben diesen drei beschriebenen Syndromen treten häufig auf:

Epilepsie mit einer Häufigkeit von 30 bis 50%
Psychische Störungen mit Wesensveränderung, Verhaltensstörungen (die Hälfte der Menschen hat jedoch keine oder nur eine leichte Intelligenzminderung).
Augensymptome (Schielen).
Hör- und Sprachstörungen.
Minderwuchs und Muskelschwund der betroffenen Körperteile.

Behandlung:

Eine multidisziplinäre Therapie aus unterschiedlichen medizinischen und therapeutischen Bereichen steht im Mittelpunkt der Behandlung der ICP. Grundsätzlich sollte diese so früh wie möglich im Verlauf der Erkrankung beginnen. Eine kausale, also die Erkrankung heilende Therapie ist auf Grund der Vielfältigkeit der betroffenen Organsysteme nur in den seltensten Fällen möglich. Von besonderer Bedeutung ist die Ausarbeitung eines, die verschiedenen Therapiemöglichkeiten einbeziehenden Rehabilitationplanes, in dem insbesondere die zu erreichenden Therapieziele erläutert und festgelegt werden sollten. Hierbei stehen unterstützende konservative Therapiemaßnahmen, wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, die durch spezielle medikamentöse Therapien und konservative orthopädische Kontrakturprophylaxe durch verschiedene Orthopädietechniken unterstützt werden, im Vordergrund der Behandlung. Erst bei einem fortschreitenden Verlauf, der Ausschöpfung aller konservativen Maßnahmen und unter sehr strenger Operationsindikation sollten operative Maßnahmen zum Einsatz kommen.